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©Aargauer Zeitung, Montag 11. Januar 2016

„Musik wirkt wie ein Turbo“

 

WETTINGEN Mit 18 Jahren sang Daniel Pérez die „Dichterliebe“ – seither ist der Bariton auf Erfolgskurs

„Ich bin sehr viel unterwegs“, hatte Daniel Pérez am Telefon gesagt. Wenn das so ist, kommt für den Fototermin nur der Bahnhof Wettingen und das im Hintergrund sichtbare Kloster samt Zwiebelturm-Kirche infrage. Dort hat schliesslich alles begonnen. Aber das Wetter spielt nicht mit, also streben wir dem Kloster zu – und blenden erst einmal zurück ins Jahr 2007. „Daniel Pérez singt die „Dichterliebe“.“ Die Ankündigung war mehr Gerücht als Gewissheit. Aber dann hörte man in der Villa Boveri tatsächlich Schumanns grossformatigen Liederzyklus – gesungen von einem 18-jährigen Schüler der Kantonsschule Wettingen.

 

Immer richtigen Zeitpunkt erwischt
Was hat er sich damals bloss gedacht? Daniel Pérez (27) lacht: „Ich wusste zu jener Zeit gar nicht, was ich eigentlich vor mir hatte. Ich sang einfach, weil ich etwas ausprobieren wollte. In diesem Alter hat man ja einen völlig unverkrampften Zugang zu diesem Werk.“ Einen solchen hatte der Sänger auch zu anderem, denn am Konzerttag war der Teufel los. Um 7 Uhr musste Daniel Pérez zur Autoprüfung antreten, die er auch bestand. „Anschliessend war Schule angesagt; abends war Konzert, danach ging es nach Hause, wo ich Aufgaben büffelte. Dieser Tag war schon verrückt.“ Die Frage, ob Schumanns „Dichterliebe“ für ihn nicht doch zu früh gekommen sei, kommt gar nicht erst hoch, weil der Sänger anmerkt: „Ein Korrepetitor aus Luzern hat mir einmal gesagt: „Warte nicht auf den Moment, mach‘ es vorher.““ Mit Grössenwahnsinn hat dieses erste grosse Konzert, das den jungen Bariton rasch bekannt machte, also nichts zu tun. Wohl aber mit der realistischen Einschätzung, dass man nicht zu lange warten sollte, denn: „Man könnte den richtigen Zeitpunkt verpassen.“

Hört man Daniel Pérez zu, muss man einfach glauben, dass er diesen bis anhin stets erwischt hat. Schon als Bub war er „extrem an Musik“ interessiert. Aber die tiefe Liebe zum Gesang wurde erst später, in der Kantonsschule Wettingen, geweckt. Weil er montags immer eine sehr lange Mittagspause hatte, sagte ein Kollege eines Tages zu ihm: „Mach doch mit bei uns im Chor.“ Susanne Oldani, die für die Stimmbildung verantwortlich war, hörte den ebenso samtenen wie kernigen Bariton rasch aus dem Ensemble heraus und riet dem Schüler, sich in Gesang unterrichten zu lassen – der Stein war ins Rollen gebracht.

Jahre später rollt es für Daniel Pérez derart gut, dass man sich an Rossinis Barbier von Sevilla und dessen Arie „Figaro hier, Figaro dort“ erinnert fühlt. Blickt man in die Agenda des Baritons, zeigt diese, wie gefragt er ist. Ob in Spreitenbach, Wettingen, Baden, bald in Oberwil mit einem auf Grillparzer basierenden Medea-Projekt; in St. Gallen und Trogen mit der Bach-Stiftung unter Rudolf Lutz oder in Basel mit dem A-cappella-Ensemble Larynx – immer steht für den Sänger die Begegnung mit der Musik im Vordergrund: „Musik wirkt wie ein Turbo – egal in welcher Funktion“, sagt er. Das heisst: Ob als Solist, Chormitglied, Partner in einem Vokalensemble, Lehrer – in der Musikwerkstatt Brugg und für ein halbes Jahr an der Kantonsschule Baden – Chorleiter, Stimmbildner oder Geschäftsführer der Wettinger Kammerkonzerte: Die ganze Bandbreite musikalischen Schaffens interessiert Pérez derart brennend, dass er lachend anmerkt: „Jede Art von Einschränkung wäre ungesund für mich.“

 

Gehörige Portion Selbstironie
Sagt der 27-jährige solches und Ähnliches, schwingt immer eine schöne Portion Selbstironie mit. Von Selbstüberschätzung keine Spur. Daniel Pérez weiss zu gut, was ihm der Sängerberuf abverlangt. Leidenschaft, Hingabe, Können, Neugier, Offenheit, aber auch Disziplin – gerade im Hinblick auf Organisatorisches. Er ist sein eigener Manager und weiss demzufolge, wo und wann Verpflichtungen anstehen. Eine Fünf-Tage-Woche? Daniel Pérez schüttelt verwundert den Kopf. „Ich kann Menschen nicht verstehen, die beklagen, dass es schon wieder Montag ist. Ich freue mich auf jeden Tag.“ Besonders dann, wenn ein A-cappella-Konzert ansteht. „Sologesang ist eine Welt für sich“, betont der Sänger, „im A-cappella-Ensemble hat man aber die ganze Musik im Kopf. Man muss sämtliche Stimmen kennen; muss hören, was und wie die anderen singen. Darauf muss man reagieren können. Mir macht das Riesenspass.“

Da braucht es nur einen kleinen Anstoss, um ihn nach Wunschprojekten zu fragen. Daniel Pérez schwärmt von einer noch zu gründenden „A-cappella-Combo, die Schweizer Volkslieder, aber auch Jazziges singt“ und Schuberts „Winterreise“, die er gerne einmal „völlig anders“ singen möchte. Nicht im Konzertsaal, sondern an einem Ort, der zur ersten Liedzeile „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“ passt: in der U-Bahn. Mehr will Daniel Pérez nicht verraten. Noch handelt es sich ja „nur“ um einen Traum – aber einen, der mit Musik zu tun hat: und diese wirkt auf Daniel Pérez wie ein Turbo. (efe)

©Aargauer Zeitung, Montag 27. April 2015

Wettingen als Brutstätte junger Musiker?

 

WETTINGEN Draussen herrscht Sommer. Doch beim Betreten der dicken Gemäuer der Wettinger Klosterkirche ziehen sich alle schnell den Pullover über. Das denkmalgeschützte Gebäude darf nicht geheizt werden – auch im Winter nicht. Das ist der Hauptgrund, weshalb es von den Sommerkonzerten keine Winterausgabe gibt. Denn an mangelndem Erfolg liegt es nicht. Die Konzerte sind meist ausverkauft und die pompöse Kirchenhalle rappelvoll – seit nunmehr 80 Jahren.

 

Kanti und Orchesterschule
Jubiläum feiern die Wettinger Sommerkonzerte dieses Jahr mit einem besonderen Leckerbissen: Das grosse Oratorium „Saul“ von Georg Friedrich Händel. Erzählt wird die dramatische Geschichte von König Saul und Emporkömmling David: Es geht um Liebe, Eifersucht und grosse Schlachten – fast schon grosse Oper. Vor der Kulisse der Kirche soll das Zusammenspiel von Orchester, Chor und Solisten zu einem einzigartigen Erlebnis werden.

 

Neben der Klosterkirche haben die Sommerkonzerte noch eine Besonderheit: Auch die Schüler der Kantonsschule Wettingen sind in die Produktionen integrier. In Form kleiner Solisten-Rollen oder – wie im Falle von „Saul“ – des gesamten Schülerchors. Zudem haben professionelle Solisten des Jubiläumskonzerts Wurzeln in Wettingen: Noëmi Sohn, Dino Lüthy und Daniel Pérez sind erfolgreiche Kanti-Ehemalige. „Auch die Gesangslehrer machen immer wieder bei den Projekten mit“, erzählt die 34-jährige Noëmi Sohn. „Susanne Oldani, die in „Saul“ die Rolle der Merab übernimmt, war eine ehemalige Lehrerin von mir – damals hätte ich nie gedacht, dass ich einmal gemeinsam mit ihr als Solistin auf der Bühne stehen würde!“

 

Während Sohn in musikalischem Umfeld aufwuchs, kam Bariton Daniel Pérez eher zufällig zum Chor: „Meine Schulkollegen forderten mich auf, mit ihnen zur Chorprobe zu kommen, weil noch Männer gesucht wurden. Ich hatte montags immer lange Mittagspause – und fing so zu singen an“, erzählt der 26-Jährige. Sein Chorleiter erkannte das Talent, schickte ihn zum Gesangsunterricht und Vorsingen für die kantonale Begabtenförderung. „Zu meiner Zeit gab es die noch nicht“, berichtet Noëmi Sohn. Auch sie fiel mit ihrer Sopranstimme schon zu Kantizeiten auf und bekam bei Konzerten kleine Rollen als Solistin. „Ich habe enorm profitiert von dieser Schule.“
Wettingen als Brutstätte junger Musiker? Man könnte meinen. Gibts doch neben der „musikalischen“ Kanti des Stella Maris Orchestra, das junge Streicher fördert. In der Schweiz einmalig, verknüpft es bisher getrennte Elemente: Professionellen Orchesterbetrieb und -schule.

 

Das passt gut zu „Saul“, dem das Stella Maris Orchestra den passenden Klangteppich verleihen wird. Denn in „Saul“ sind Amateure und Profis wie jüngere und ältere Generationen vereint.
Daniel Pérez ist als Vorstandsmitglied der Sommerkonzerte überzeugt, genau diese Mischung sei eines der Erfolgsgeheimnisse: „Laien können eine Energie und Faszination mitbringen, die manch abgebrühtem Profi abhandengekommen ist“, erklärt er. „Das steckt an.“

 

Neue Einführungsveranstaltung
Ansteckend sei auch der Leiter und Initiant des Ganzen, Cristoforo Spagnuolo. „Er schafft es, die Leute mitzureissen und zu motivieren.“ Das sei besonders wichtig, „wenn einem 100-köpfigen Chor aus Kantischülern ein klassisches Stück schmackhaft gemacht werden soll“, so Pérez. Diese Beziehung wollen die Organisatoren auch dem Publikum vermitteln und haben sich dazu die Einführungsveranstaltung „Better know Saul“ ausgedacht. Mit Eindrücken vom Weg durchs Kloster macht das spätere Konzert doppelt Eindruck.

©Aargauer Zeitung, Montag 24. Juni 2013

Ein harmonisches Duell

 

WETTINGEN Stimmen der beiden regionalen Chöre füllten die Klosterkirche aus. “Meine Grundidee war es, die Akustik der Kirche möglichst umfänglich auszunutzen“, erklärt Daniel Pérez. Die leidenschaftliche Energie, die der 24-jährige Dirigent während des Konzerts an den Tag gelegt hatte, ist einige Minuten nach dem Auftritt noch nicht abgeklungen. So scheint der Puls immer noch zu rasen, während das Lachen auf seinem Gesicht absolute Zufriedenheit ausstrahlt. Zwei Chöre, zwei Dirigenten und zwei Organisten – mit diesem Konzept wollten Pérez und Martin Hobi die Klosterkirche Maris Stella zum Klingen bringen.

 

Ein Abend der Kontraste
Während Hobi mit dem „Badener Vokalensemble“ einen erfahrenen, altbekannten Chor an der Hand führt, überzeugt das Vocalino Wettingen des Spreitenbachers Pérez mit jungem Elan. „Wir sind keine Konkurrenten, im Gegenteil – wir spornen uns gegenseiten zu Höchstleistungen an“, sagt Pérez über diese Zusammenarbeit. Diese Höchstleistungen bekam das Publikum von allen Seiten zu hören. Von links, rechts und vorne erschallte Domenico Gabriellis „Plaudite“ während Hobi im Mittelgang mit Ruhe und Präzision dirigierte. Nicht nur die gewählten Werke führten zu Sprüngen in der zeitlichen Dimension, die Sängerinnen und Sänger legten auch räumliche Distanzen zurück. So stand einmal das Vocalino Wettingen zwischen den geöffneten Toren des Kirchenvorraums, zuweilen ihr Gegenpart am anderen Ende des Raumes sang. Ein ganz besonderer Moment bot Benjamin Brittens „Hymn to the Virgin“. Während Pérez‘ Chor vor dem Publikum singt, erschallt ungesehen aus dem hinteren Teil des Kirchenschiffs, die sanfte Antwort des Badener Vokalensemble.

 

Neue Horizonte für das Orgelspiel
Trotz der häufigen Wechsel von Position und Dirigent kam in keinem Moment ein chaotischer Eindruck auf. Der Balanceakt zwischen Gegeneinander und Miteinander, Wort und Klag, Barock und Romantik ist gelungen.
Während für Pérez der Auftritt im Rahmen der Wettinger Sommerkonzerte auch gleichzeitig sein letztes Projekt mit dem Vocalino Wettingen war, wurden an der Orgel hoch oben auf der Empore neue Werke geboren.

 

Der Organist Stefan Müller hat eigens für dieses Konzert drei Stücke geschrieben, die am Freitag ihre Uraufführung erlebten. Der Komponist räumte die konservative Vorstellung des Orgelspiels beiseite und schuf Platz für neue Horizonte. „Ich hoffe, dass die Leute diese spezielle Intervalle als neues Erlebnis wahrnehmen“, sagte Müller. „Die Orgel hat heutzutage ja schon beinahe wieder etwas Exotisches.“
Neben Müller begleitete auch der angesehene, österreichische Organist Johann Sonnleitner die Chöre. Und während Pérez und die Sänger zum Schluss noch eine emotionale Zugabe zum Besten gaben, liessen es sich die beiden Organisten nicht nehmen, zusammen in den Gestühlen der Kirche die letzten Klänge zu geniessen – vereint in harmonischer Gegensätzlichkeit.
Der Balanceakt zwischen Gegeneinander und Miteinander, Wort und Klang, Barock und Romantik ist gelungen. (tga)

©Aargauer Zeitung, Freitag 21. Juni 2013

Zwei Chöre singen sich gemeinsam durch die Geschichte der Musik

WETTINGEN Vocalino Wettingen und Badener Vokalensemble nutzen die Akustik der Klosterkirche für ihr Chorkonzert

 

Ein aufstrebender Jungchor und ein gestandenes Ensemble geben sich ein Rendezvous. Das Bild lässt aufhorchen: Im linken Seitenschiff haben sich jugendliche Sänger aufgestellt, im rechten reifere Semester. Wie beidseits Dutzende Stimmen erklingen, findet sich der Zuhörer im Hauptschiff eingehüllt in eine überwältigende Klangfülle. Verzückt horcht er dem Dialog, dem Echo.

 

Meisterwerke programmiert
Die beiden Formationen passen ausgezeichent zusammen, schlanke schöne Stimmen und reine Intonation allenthalben. Die Klosterkirche bietet den idealen Klangraum. Die Akustik nutzen das Vocalino Wettingen und das Badener Vokalensemble an ihrem gemeinsamen Konzert mit überraschenden Aufstellungen. Dabei singen sie sich quer durch die musikalischen Epochen und quer durch Europa. Gemeinsam ist den Kompositionen eines: Sie wurden eigens für Doppelchor geschrieben. „Wir präsentieren die grössten Meisterwerke der Doppelchor-Literatur“, freut sich der Dirigent des Badener Vokalensembles, Martin Hobi.

 

Die Reise beginnt beim Italiener Gabrielli, führt über den Deutschen Mendelssohn Bartholdy, um beim Engländer Benjamin Britten zu enden – sie führt also vom Barock über die Romantik bis ins 20. Jahrhundert. Ebendiese verschiedenen Epochen stellt die Chöre vor grosse Herausforderung: „Das romantische Singen ist ein ganz anderes als das barock“, gibt Daniel Pérez, Dirigent vocalino Wettingen, zu bedenken. In der Romantik dominiere der breite Klang, das Legato, der Barock indes lebe von einer Agilität, von entlasteten Tönen.

 

Von allem zweierlei
Die beiden musikalischen Leiter Hobi und Pérez geben alternierend den Takt an. Die einen Stücke ertönen so nach Hobis, die andern nach Pérez‘ Interpretation. „Die Zusammenarbeit ist sehr inspierend“, schwärmen sie unisono. Wenngleich ein kompetitiver Moment mitspielen soll: „Die Chöre motivieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen“, erklärt Hobi und schmunzelt: „Damit etwas Spezielles passiert, braucht es immer zwei“.

 

Zu zweit zeigen sich auch die Orgel-Koryphäen Stefan Müller und Johann Sonnleitner. Sie spielen zwischen den A-cappella-Werken musikalische Kontraste auf zwei Orgeln, die speziell für dieses Programm komponiert wurden. Das Programm der Wettinger Sommerkonzerte heisst „Zweierlei“. (mst)

©Aargauer Zeitung, Freitag 24. Mai 2013

Musik aus dem Konzentrationslager

BADEN Spreitenbacher Bariton Daniel Pérez widmet sich Überlieferungen aus Theresienstadt

 

Als jüdische Mustersiedlung verklärt, war Theresienstadt in Tat und Wahrheit ein Konzentrationslager. Die Nazis missbrauchten es zu Propagandazwecken. Besuchern zeigte das Regime etwa künstlerisch tätige Juden in harmonischem Zusammenleben. Was unerwähnt blieb: Auch diese Juden lebten unter widrigen Bedingungen und wurden schliesslich nach Auschwitz deportiert – getötet. In Theresienstadt gediehene Kunst, die überliefert ist, bringt Daniel Pérez nun im Rahmen seiner Masterarbeit zur Aufführung. Es sind Lieder und Gedichte, die in der Villa Boveri erklingen, aber auch Briefe werden gelesen, die schwer zu ertragen sind.

 

Sehnsucht, Freiheit und Erlösung
„Die künstlerische Beschäftigung war seelische Nahrung für diese Menschen“, stellt Pérez fest. Heute Abend steht er selbst auf der Bühne und interpretiert Lieder unter Begleitung verschiedener Instrumente. Die Texte handeln von Sehnsucht, von der Freiheit, von der Erlösung. Ilse Weber schrieb: „Ich wandre durch Theresienstadt, das Herz so schwer wie Blei. Bis jäh mein Weg ein Ende hat, dort knapp an der Bastei.“ Den schweren Inhalt, der musikalischen Nachklang findet, will Pérez als Sänger versuchen nachzuempfinden. Wie nahe geht einem jungen Studenten die monatelange Beschäftigung mit diesem erdrückenden Stoff? „Es hat mich sehr mitgenommen“, erklärt Pérez und ergänzt: „Das ist erst recht ein Grund dafür, sich mit verfemten Komponisten zu beschäftigen. Die Musik der jüdischen Komponisten ist grossartig:“ (mst)

©Aargauer Zeitung, Freitag 25. Februar 2011

Ben liebt Lucy und Lucy das Telefon

BADEN Nicole Hitz und Daniel Pérez aus Spreitenbach haben als Bachelorprojekt den komödiantischen Einakter «The Telephone» einstudiert. Ihr Fernziel ist die Opernbühne.

 

Ben besucht seine Freundin Lucy in der Absicht, ihr einen Heiratsantrag zu machen – doch dann klingelt bei ihr das Telefon. So beginnt die Handlung der Opera buffa, deren Schauplatz ein amerikanisches Appartement der Vierzigerjahre ist. Und gleichermassen komisch nimmt sie ihren Lauf: Allen Bemühungen zum Trotz gelingt es Ben nicht, Lucys Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – bei seiner Geliebten dreht sich alles nur um ihr Telefon. Kein Wunder, heisst der Einakter von Gian Carlo Menotti auf Deutsch auch «Liebe zu dritt».

 

Wenige Requisiten
Nicole Hitz von Hirzel und Daniel Pérez von Spreitenbach haben «The Telephone» einstudiert; es ist ihr Bachelor-Projekt. Sie studieren an der Luzerner Musikhochschule Gesang und stehen kurz vor ihrem ersten Abschluss.
Obgleich das Musiktheater für beide nicht Neuland bedeutet, stehen sie vor einer ungewöhnlichen Herausforderung: In dieser Kurzoper stehen beide praktisch pausenlos im Einsatz, die Requisiten beschränken sich auf ein Minimum. Umso mehr Konzentration auf den Text und Fokussierung auf das Spiel verlangt es den beiden ab. Am Klavier begleitet werden sie von Dessislava Genova.

 

Nicht privat werden
Hitz und Pérez wollen sich in der weiteren Ausbildung vor allen Dingen dem Musiktheater widmen. Fernziel: Opernbühne. Gecoacht werden Hitz und Pérez von Rosina Zoppi, einer Sängerin mit viel Bühnenerfahrung.
Von ihr haben die Sopranistin und der Bariton gelernt, sich auf der Bühne von ihren eigenen Persönlichkeiten zu verabschieden. «Sie mahnt uns, sobald wir privat werden», erläutert Pérez und ergänzt: «Man hat so manche Ticks, die einem nicht bewusst sind.» In der Rolle des Ben und der Lucy entdecken die Jungsänger unbekannte Facetten von sich selbst und lernen, Emotionen verschiedentlich auszudrücken. Das Ausprobieren findet Pérez denn auch am spannendsten, denn: «Im Voraus ist unklar, ob die Übung gelingt oder nicht, und mich interessiert die Reaktion der Partnerin.»

 

Noch immer aktuell
Mit Ausprobieren ist nun Schluss – von der feinsten Geste bis zur höchsten Koloratur sitzt die Performance. Am Samstagabend klingelt in der Villa Boveri das Telefon. Wie es Ben wohl schafft, seiner Freundin den Heiratsantrag doch noch zu machen? Man ahnt es. Nicole Hitz und Daniel Pérez warten mit einem Werk auf, das 40 Minuten beste Unterhaltung verspricht und seit der Uraufführung 1947 keineswegs an Aktualität verloren hat. (mst)

©Aargauer Zeitung, Dienstag 19. August 2008

Orgelkonzert mit Trompeten und Pauken

WETTINGEN Das Konzert der Orgelmusik gestalteten Lehrer und Ehemalige der Kanti.

 

Wer am Sontag das Konzert unter dem Motto «The trumpet shall sound» der Orgelmusik Wettingen besuchte, musste feststellen, dass der Zyklus zwar ein zahlreich erscheinendes, aber nachwievor kaum junges Publikum findet. Dies, obwohl zwei ehemalige Kantonsschüler mitwirkten: Lea Reusser spielte Trompete und Daniel Pérez sang Bariton. Ausserdem waren Lukas Merki (Trompete), Reto Baumann (Pauke) und Stefan Müller (Orgel), Musiklehrkräfte der Kantonsschule Wettingen, beteiligt.

 

Kerniger Bariton
Zunächst blieben die Musiker dem Publikum verborgen – sie konzertierten auf der Orgelempore. Nach Georg Friedrich Händels «Voluntary IV» Spielte die Orgel das anspruchsvolle Stück «Aria variata alla maniera italiana» Von Johann Sebastian Bach. «The trumpet shall sound» hiess das Stichwort für Daniel Pérez, sich für das energiegeladene Stück in Szene zu setzen. Der Gesangsstudent begeisterte mit seinem weichen, kernigen Bariton, der insbesondere in höheren Registern die Klosterkirche zum Glänzen brachte.

 

Moderner Abstecher
Eine moderne Orgelkomposition von Stefan Müller, genannt «Felder», unterbrach das barocke Geschehen. Auf das dissonante Intermezzo folgten Stücke für Orgel und Gesang von Henry Purcell, deren Harmonien nun umso erfüllender wirkten. Daniel Pérez und Stefan Müller platzierten sich hierzu auf der Bühne. Wiederum verstand es Pérez hervorragend, die entsprechende Stimmung auszudrücken; er überzeugte überdies mit reiner Intonation und zeigte sich selbst bei technisch sehr anspruchsvollen Passagen äusserst versiert.

Mit Purcells «Trumpet Voluntary» gelang dem Ensemble eine freuderfüllter Abschluss. (mst)

©Aargauer Zeitung, Dienstag 20. Februar 2007

Die Stimme hat ihn gefunden

WETTINGEN Aufmerksame Lehrerohren haben Daniel Pérez sich und seine Stimme selbst entdecken lassen.

 

Seine Musiklehrer sind sich einig: Daniel Pérez hat alle Qualitäten für eine Gesangskarriere. Das junge Talent, dessen Freizeit gänzlich der Musik gewidmet ist, führt als frischgebackener Klassikbegeisterter das anspruchsvolle Werk «Dichterliebe» auf.

 

Als Klassikbanause trat Daniel Pérez 2004 ins Gymnasium ein. In der ersten Klasse baten ihn einige Kollegen, dem Chor beizutreten. Daniel Pérez leistete dem Folge – zum Glück. Susanne Oldani, die für die Stimmbildung verantwortlich war, hörte den reifen, weichen sowie kernigen Bariton rasch aus dem Chor heraus und riet dem Schüler, sich in Gesang unterrichten zu lassen. Somit war der Stein ins rollen gebracht.

 

Zugang gefunden
Heute besucht Daniel Pérez (18) die dritte Klasse der Kantonsschule Wettinge; die Musik ist derweilen zu seinem grössten Hobby avanciert, und zu Recht sagt er, die Stimme habe ihn gefunde. «Den definitiven Zugang zur klassischen Musik habe ich beim Einüben des Chorwerks «Marienvesper» von Monteverdi gefunden», erinnert sich Pérez. Sein Solisteneinsatz an Hauskonzerten ist indessen nicht mehr wegzudenken. So verpasste er etwa der letztjährigen Serenade mit einem dynamischen und temperamentvollen Auftritt eine südländische Sondernote – den spanischen Wurzeln sei Dank. «Ich spiele gerne mit dem Publikum», schmunzelt er. Ausgleichend singt Pérez in einer Ska-Band, für die er selbst Songs schreibt. Der vielseitige Spreitenbacher spielt Klavier, Blockflöte und Gitarre. Ob Ska, Punk oder Rock: sein Interesse gilt aller Musik, die auf eine Weise melodiös ist.

 

Gefördertes Talent
Nebst der bestandenen Stundenprüfung, welche einer gewissen Anzahl begabter Schüler eine halbe Lektion mehr Instrumentalunterricht bzw. Sologesang verspricht, beschert ihm nun der Preis des Begabtenförderungsprogramms Aargau eine ganze zusätzliche Lektion Musikunterricht. Somit geniesst der junge Intellektuelle, inklusive Schwerpunktfach Musik zehn Stunden musikalische Ausbildung pro Woche. Es unterrichten ihn in Schulmusik Cristoforo Spagnuolo sowie Stefan Müller, in Sologesang Rudolf Remund, und das Klavierspiel lernt er bei Jürg Lüthy. Dass Pérez im Januar einen Meisterkurs in Basel besuchen konnte, der ihm eine Menge neuer Inputs lieferte, ist nicht zuletzt der flexiblen Schulleitung zu verdanken.
Seine zusätzliche Musikstunde hat er nun ein halbes Jahr lang dazu genutzt, sich auf das kommende Konzert vorzubereiten. Pérez wagte sich auf Empfehlungen seiner Lehrer hin an Robert Schumanns grossen Liederzyklus «Dichterliebe».

 

18 Lieder unter einem Bogen
Die Zusammenarbeit mit seinem Korrepetitor Stefan Müller war stets konzentriert und direkt, Müller ist begeistert: «Daniel Pérez hat grosse Fortschritte gemacht, er setzt Tipps sehr schnell um und pflegt einen emotionalen Umgang mit der Musik». Zur Schwierigkeit de Werkes äussert sich Pérez‘ Gesangslehrer Rudolf Remund wie folgt: «Die Herausforderung besteht darin, 18 verschieden Lieder unter einen Bogen zu bringen». Mit seiner Intelligenz und Stilsicherheit gelingen seinem Schüler die Wechsel indes sehr gut. «Wenn ein Jugendliche «Dichterliebe» singt, ist das sehr authentisch, ich freue mich auf den Auftritt!» fügt Remund an. Daniel Pérez will übrigens nach der Matur Sologesang und Schulmusik studieren. (mst)